Inglourious Basterds Review

Veröffentlicht: 26. August 2009 in Allgemein

inglourious-basterdsInglourious Basterds? That’s a Bingo!

Quentin Tarantino liefert mit Inglourious Basterds den besten Film des Jahres ab.

Doch zunächst von Anfang an. Woher die Inglourious Basterds kommen und warum es sie gibt, kann und muss gar nicht erklärt werden. Wichtig ist nur, es sind amerikanische Juden, die auf Nazi-Skalps aus sind. (Killing Nazis!) Dabei spielen die Inglorious Basterds eigentlich nur eine Nebenrolle, denn der eigentliche Plot handelt von der französischen Jüdin Shosanna Dreyfus, die einem Familienmassaker entkommen kann und Jahre später bittere Rache nehmen will.

Insofern geht es bei Inglourious Basterds eigentlich mehr um Rache als um die Elitetruppe um Brad Pitt. Aber im Gegensatz zu Kill Bill ist Inglourious Basterds kein reiner Rachefilm. Es ist viel mehr. Tarantino baut zwar wie gewohnt seinen Film in Kapiteln auf, diese verlaufen jedoch im Gegensatz zu vielen anderen seiner Film chronologisch. Um nicht zu viel zu spoilern werde ich nicht wesentlich genauer auf die Story eingehen.

Die Besetzung ist grandios. Viele Deutsche Schauspieler sind am Start, was den Film zwar nicht besser macht, ihm aber solch eine Nähe verpasst, dass man den Nazis (und teilweise auch den Basterds) abnimmt, dass sie Deutsche sind. Einzig Til Schweiger brilliert wie in fast jedem Film mit Ausdruckslosigkeit und wenigen Sätzen. Für einen „Hollywood Star“ hätte da mehr kommen müssen. Ganz anders Christoph Waltz, der den Nazi SS Oberst Landa spielt. Dieser hat den Spitznamen „Judenjäger“ und ist eigentlich ein richtig fieses Nazi-Arschloch. Trotzdem schafft es Waltz ihn im Film so genial spielen, dass er sogar sympathisch und geradezu freundlich rüber kommt.

Allgemein vermittelt Tarantino nicht das Bild des skrupellosen, menschenverachtenden Nazis. Während der Nazi bei Indy 3 zum Beispiel nichts außer Antipathie hervorruft, schaffen es die Nazis in Inglourious Basterds wirklich vielschichtig zu sein. Frederick Zoller, gespielt von Daniel Brühl, tötete zwar 300 Amerikaner in Italien, kommt aber trotzdem als verschüchteter, zuvorkommender junger Mann rüber. Der oben erwähnte Landa ist zwar der typische Antagonist, bleibt jedoch so humorvoll, vornehm und zuvorkommend, dass ein richtiger Hass ihm gegenüber schwierig wird.

Sehr witzig sind auch die optischen Einspielungen, wenn zum Beispiel Til Schweiger eingeführt wird. Er wird nicht nur vorgestellt, sondern erhält auch einen Actionschriftzug. Ebenso sämtlich Nazigrößen wie Goebbels, Bormann oder Göring. Einzig Hitler scheint Tarantino als bekannt vorrauszusetzen. Übrigens tauchen nicht nur Hitler und Co auf, auch Churchill hat einen kurzen Gastauftritt.

Die Originalversion des Film ist sehr gut und macht Spaß. Daher kann ich zur Synchrofassung nicht viel sagen, außer dass ich fürchte, dass unglaublich viel Charme bei der Übersetzung einfach drauf geht. Brad Pitt mit seinem Südstaaten-Amerikanisch wirkt nicht nur echt, es begeistert auch. Mit Südstaatenslang gesprochenes Italienisch klingt einfach zum Schreien, aber die Deutschen hören das Italienisch eh nicht so genau. Ich möchte fast sagen, dass Inglourious Basterds sprachlich dreigeteilt ist. Während Pitt und die Basterds immer auf englisch quaken, spricht Shosanna ausschließlich französisch. Auch Daniel Brühl, der sich in sie verliebt hat, spricht gut verständliches Französisch. Dass die deutschen Besatzer und Hitler und Co deutsch sprechen war zu vermuten, toll ist aber, dass so wirklich auch ein Großteil des Films Deutsch gesprochen wird und die Deutschen nicht plötzlich englisch oder ähnliches von sich geben. Einzig Landa beherrscht Englisch, Französisch, Italienisch und mit Sicherheit noch einige Sprachen mehr.

Insgesamt ist Inglourious Basterds für mich der Film des Jahres. Die Story ist zwar fiktiv, weiß aber trotzdem mitzureißen und hält Überraschungen bereit. Die Schauspieler sind grandios und die Dialoge sind schlichtweg sehr gelungen. Tarantino hat mit den Basterds etwas völlig neues entwickelt. Inglourious Basterds ist kein klassischer Kriegsfilm, es wird zwar gestorben, aber nicht en mass. Actionfilm trifft es auch nicht richtig, denn der Großteil des Films besteht aus Dialogen. Mann könnte es einen actionorientiertes Kriegsdrama nennen, aber die genau Zuordnung überlasse ich den Filmwissenschaftlern und Feuilletonschreibern.

Wer also einen knallharten Weltkriegsactionfilm erwartet, sollte die Finger davon lassen. Wer sich allerdings auf subtile Dialoge, auf geniale Kamerafahrten, auf tiefgründige Charaktere und eine etwas andere historische Entwicklung einlassen will, der sollte schleunigst die Originalfassung von Inglourious Basterds besuchen.

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Kommentare
  1. G.J. sagt:

    Ich stimme der Rezension fast vollkommen zu. Mir persönlich hat Til Schweiger sehr gut gefallen. Ich nahm ihm den psychopatischen Killer vollkommen ab. Ich hätte nicht in der Haut des SS Mannes stecken wollen, wenn neben mir so ein Typ sitzen würde, brrrr. Herr Tarantino, sie haben mich äusserst positiv überracht. Also, alle vier Daumen hoch!

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  2. […] DVD ist eine Anschaffung wert. Wer den Film nicht gesehen hat, kann sich übrigens auch mein Inglourious Basterds Review […]

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  3. Fabian sagt:

    Oh meine Güte, ich hab ihn endlich gesehen. So verdammt gut.

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